Der Diamant, der heute wirtschaftlich in erster Linie als Material für hochwertige Schneidwerkzeuge in der Industrie eine wichtige Rolle spielt, ist als Schmuckstein wahrscheinlich bereits im vierten vorchristlichen Jahrtausend bekannt gewesen. Damals wurden dem seltenen Mineralstein, der als kubisch-kristalline Form des Kohlenstoffs als das härteste Element der Welt gilt, in Indien magische Kräfte zugeschrieben. Auch im Okzident wurden und werden Diamanten von vielen Menschen als geheimnisvolle Hilfsmittel bei der Behandlung von physischen oder psychischen Beschwerden in Anspruch genommen. Von Südasien, das bis zur Entdeckung von Diamantvorkommen in Indonesien (um 600) und Brasilien um 1750 die einzige Diamantfundregion war, gelangte das Edelmineral in der Antike schließlich in den Mittelmeerraum und war dort bei Griechen und Römern vor allem als Talisman und als Graphierinstrument begehrt.
Allerdings hatten die optisch zumeist eher unauffälligen, zumeist grauen oder bräunlichen Diamanten weder in der Antike noch im frühen Mittelalter den Rang eines besonders exklusiven Juwels wie heute.
Allein extrem wenige, heute „Fancy Diamonds“ genannte, Diamanten haben eine natürliche intensive Farbtönung wie zum Beispiel das auf Stickstoffeinschlüsse basierende Kanariengelb oder das durch Bor-Einschlüsse entstandene Blau. Diese farbigen Diamanten waren bereits im Altertum und dem beginnenden Mittelalter als Edelsteine beliebt.
Wegen seiner enormen Härte der Rohdiamanten war deren Bearbeitung lange unmöglich. Die Diamanten, die im unbearbeiteten Zustand weniger als ein Fünftel ihres durch Bearbeiten erreichbaren Reflexions-Potenzials, das legendäre „Feuer der Diamanten“, aufweisen, wurden lediglich blank poliert und als „Spitzstein“ oft kostbar in Gold oder Silber eingefasst. Im 13. Jahrhundert wurde entdeckt, dass man Diamanten mittels anderer Diamanten spalten und schleifen kann. Diese Tatsache geht auf die in einem individuellen Diamanten wegen der spezifischen Kristallrichtungen unterschiedlichen Härtegrade zurück. Ein Diamant kann daher an bestimmten Stellen härter als ein anderer Diamant sein. Die Kunst des Diamantenbearbeitens gründet somit nicht unwesentlich auf die Fähigkeit, durch Analyse des Kristallaufbaus die weicheren Stellen des Diamanten zu erkennen. Während im Ursprungsland des Diamanten, Indien, das Spalten und das sonstige Bearbeiten lange als Sakrileg galt, förderte die neue Möglichkeit der Diamantenveredelung in fundamentaler Weise die Beliebtheit des Steins und steigerte zudem seinen Wert. Zahlreiche historische Diamanten belegen die Faszination, die von verdedelten Diamanten seit vielen Generationen ausgehen und den langjährigen (1897-1937) Leiter der berühmten Mineralien-Abteilung im Londoner British Museum zu dem in Mineralogen-Kreisen gern zitierten Ausspruch inspirierte, dass ein ungeschliffener Diamant seiner Meinung nach kaum schöner als ein Stück Seife sei.
Zu den legendärsten Diamanten zählt der 42,5 Karat schwere, blau-leuchtende Hope-Diamant, der im 17. Jahrhundert von Indien nach Frankreich in den Kronbesitz der französischen Könige gelangte. Seit 1958 ist der schöne, schätzungsweise 250 Millionen Euro werte Edelstein, dem zu Unrecht todbringende Eigenschaften nachgesagt werden, nach einer Schenkung des Vorbesitzers im Eigentum des Smithsonian Instituts in Washington. Ebenso berühmt wie der Hope sind der zu den britischen Kronjuwelen gehörende, angeblich 5000 Jahre alte 110-Karäter Koh-i-Noor, der im 19. Jahrhundert seinen heutigen Schiff bekommen hat, und die neun Cullinan-Diamanten, die aus Spaltungen und Bearbeitungen des mit 3106 Karat größten auf der Erde jemals gefundenen Diamanten entstanden sind. Der größte bekannte Diamant ist übrigens ein 50 Lichtjahre von der Erde entfernter Himmelskörper von 4000 km Durchmesser, der aus auskristallisiertem Kohlenstoff besteht.
Durch die Abtrennung von Spitzen an der natürlichen Form der Diamanten konnten nach Entdeckung der Diamant-Spaltbarkeit zusätzliche lichtbrechende Flächen geschaffen werden, die diesen Steinen mehr Funkeln verliehen. Dabei wurde die obere abgeschliffene Fläche in der Regel als „Tafel“ bezeichnet und die untere Fläche als "Kalette“. Weitere Flächen bekamen die Bezeichnung „Facetten“. Die ersten so geschliffenen, „Dicksteine“ genannten, Diamanten hatten mit Tafel und Kalette 18 Facetten („Einfaches Gut“).
Der berühmte italienische Universalkünstler Benvenuto Cellini (1500-1571), der sich unter anderem einen Ruf als einer der wichtigsten Bildhauer und Goldschmiede der Renaissance erworben hatte, beschrieb in seinem 1568 veröffentlichten Werk „I trattati dell'oreficeria e della scultura" („Traktate über die Goldschmiedekunst und die Bildhauerei“) detailliert die vier Bearbeitungsschritte, die zu seiner Zeit und den folgenden drei Jahrhunderten den Standard der zunächst in Europa von Venedig monopolisierten, später vor allem auch in den Niederlanden etablierten Diamantenbearbeitung ausgemacht haben. Diese Schritte bilden noch heute zum Teil die Grundlage, um die durch geschickte und außergewöhnlich zeitaufwendige Technik optimierte diamantypische Lichtreflexion im Stein zu erreichen. Diese vier Bearbeitungsschritte sind die Spaltung des Rohdiamanten, das Reiben der durch die Spaltung entstandenen Teile und das anschließende Schleifen sowie abschließend das filigrane Facetten-Polieren.
Im auf den Tod Cellinis folgenden Jahrhundert wurde es durch die Entwicklung der Diamantsäge möglich, die häufig relativ zufälligen Ergebnisse bei den Spaltungsvorgängen durch punktgenaueres Arbeiten zum Teil besser beherrschen zu können. Als Sägeinstrument diente ein eingeölter Draht aus Eisen, der mit Diamantstaub beschichtet wurde. Mit diesem Werkzeug konnten, wenn auch sehr mühselig, Diamantrohlinge ohne viel Materialverlust bearbeitet werden. Durch diese Erfindung wurden immer kompliziertere Bearbeitungen mit einer ständig wachsenden Zahl von Facetten möglich. Beim Mitte des 17. Jahrhunderts aufkommenden Mazarin-Schliff mit rundem Grundriss („Rundiste“ oder „Rondiste“ ) ließen bereits 32 Facetten den Diamanten („Zweifaches Gut“) funkeln. Beim nach einem venezianischen Schleifer wenige Jahrzehnte später benannten Peruzzi-Schliff („Dreifaches Gut“) waren es bereits 56 Facetten. Der Sägedraht ist inzwischen durch ausgefeilte Hightech-Sägescheiben ersetzt worden. Diese etwa einen halben Millimeter dicken Phosphorbronze-Scheiben sind aber wie die alten Eisendrähte weiterhin mit Öl und Diamantpulver besetzt.
Der heute gängigste Diamantschliff ist der um 1910 entwickelte Brillantschliff, bei dem auf kreisrunder Basis ein Diamant mit einem vergleichsweise flachen 32-Facetten-Oberteil und einem sich nach unten verjüngenden Unterteil mit nicht weniger als 24 Facetten ausgearbeitet wird. Daneben gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Schliffarten. Zu den bekannteren Schliffarten zählen der ellipsenförmige Marquise, der viereckige Radiant, der dreieckige Trillion, Rosenschliff und Herzschliff. Verwirrenderweise gibt es auch Diamanten, die in Form des Beryll-Edelsteins Smaragd geschliffen sind und als „Smaragd-Diamanten“ auf dem Markt sind. Der für alle Schliffarten erforderliche Arbeitsvorgang wird heute in fünf Schritte unterteilt.
Grundlage der weiteren Bearbeitung ist das von Cellini noch nicht als eigenständiger Arbeitsschritt eingestufte Markieren. Hierbei wird der Aufbau des Rohdiamanten peinlich genau untersucht. Ziel der Untersuchung ist, zu erkennen, wo das größte Reinheitspotenzial des Steins zu finden ist und wie der Kristallaufbau strukturiert ist. Nur wirklich erfahrenen und talentierten Diamantschleifern gelingt es, entsprechend die Linien, an denen entlang später gesägt beziehungsweise gespalten werden soll, so mit Tusche zu markieren, dass möglichst wenig Material verloren geht und gleichzeitig die beste Brillanz entstehen kann. Der bei den diversen Arbeitsschritten anfallende, mengenmäßig nicht unerhebliche Säge- und Schleifstaub ist als Arbeitsmaterial überaus wertvoll und wird dementsprechend sorgfältig gesichert. Bei der Bearbeitung des Rohdiamanten können bis zu 50% Abfall anfallen.
Bein nächsten Bearbeitungsschritt wird der Diamant in Wachstumsrichtung gegebenenfalls gespalten, um so mehrere Steine zu erhalten. Dieses Verfahren wird immer dann gewählt, wenn größere unbrauchbare Einschlüsse oder andere Unansehnlichkeiten beseitigt werden sollen. Aber auch, wenn der Stein zu groß ist, um die Proportionen und Winkel bei der Bearbeitung optimal einhalten zu können, wird die Spaltung regelmäßig durchgeführt. Beim Spaltvorgang wird der zu bearbeitende Diamant auf einer hölzernen Unterlage („Doppe“) fixiert und mit einem kleineren Arbeitsdiamanten an der markierten Stelle eingekerbt. Die an der Kerbe angesetzte Spaltdiamantklinge wird dann mit einem Hammer eingetrieben und spaltet, bei sachgerechter Handhabe, den Diamanten entlang der gewünschten Linie. Beim Säge-Arbeitsschritt werden die so gewonnenen Diamantteile beziehungsweise die Rohdiamanten, bei denen auf eine Spaltung verzichtet werden konnte, entgegengesetzt zur Wachstumsrichtung bearbeitet. Die in der Doppe eingespannten Diamanten werden mit einer Hochdrehzahlsägescheibe besägt. Dabei wird sehr vorsichtig und langsam gearbeitet. Oft dauert eine lediglich einen Zentimeter lange Sägung den ganzen Arbeitstag. Entsprechend dauern anspruchsvolle Schnitte in größeren Steinen nicht selten Wochen oder Monate.
Bei Schritt Drei wird dem gesägten Diamanten durch Reiben die gewünschte, meist runde („Rundierung“), Grundform gegeben. Der weiterhin an der Doppe fixierte Stein wird an einem anderen Diamanten solange gerieben, bis er die Idealform vorweist.
Dann folgt das Schleifen („Cutting“) mit einer diamantstaubbeschichteten Gusseisenscheibe, deren Winkeleinstellung zum Diamanten durch Verstellen der Doppe variabel ist. Ziel des Schleifens ist es, die gewünschten Facetten anzubringen. Zunächst wird das so genannte „Kreuzwerk“ geschliffen. Dabei werden sowohl im Oberteil als auch im Unterteil jeweils vier Ecken eingeschliffen. Danach folgt das Einschleifen (“Brillantieren“) der weiteren Facetten auf Achtkant. Die geometrisch exakt richtige Ausrichtung der Facetten ist entscheidend für die spätere Leuchtkraft des Steins und wird beim Schleifen zeitaufwendig ständig kontrolliert. Ein Fehler des Diamantschleifers bei dieser Arbeit könnte den Stein irreparabel schädigen.
Nach dem Schleifen werden die Facetten aufwendig mit einer Spezialscheibe poliert, um die bestmögliche Leuchtkraft zu erhalten.
Die moderne Technologie hat mittlerweile auch den Einzug in die Diamantschleiferei geschafft. Viele Arbeitsvorgänge sind inzwischen computerisiert. Beim Rundieren hat sich der Einsatz von Lichttechniken (Stroboskop) ausgezeichnet bewährt und beim Spalten sowie Sägen wird immer häufiger punktgenaue Lasertechnik eingesetzt. Durch die Anwendung dieser neuen Techniken verkürzt sich die Bearbeitung zum Teil erheblich.
Neuartig sind auch Verfahren wie das „Colour Enhanced“-Verfahren, bei denen durch Erhitzungs- und Bestrahlungsprozesse farbliche Veränderungen am Diamanten bewirkt werden können. Durch das technologisch ebenso neuartige „Clarity Enhancing“ werden mit Laserstrahlen Unreinheiten im Diamanten beseitigt. HPHT-Technik ermöglicht es, braunen Rohdiamanten zum klassisch farblos-weißen Aussehen zu verhelfen. Auf diese Weise bearbeitete Diamanten können nur von Fachleuten von natürlichen Diamanten unterschieiden werden. Sie müssen entsprechend zertifiziert werden und erreichen nur einen Bruchteil der für unmanipulierte Diamanten verlangten Preise.