So schön und strahlend ein geschliffener Diamant auch ist, er besteht doch nur aus Kohlenstoff, dieses schwarze Element, das zum Beispiel als Graphit in Bleistiftminen Verwendung findet. Als Graphit ist es weich und hinterlässt durch Abrieb auf dem Papier eine schwarze Linie.
Allerdings haben Diamanten völlig andere Eigenschaften, weil der Kohlenstoff in tieferen Gesteinsschichten hohen Temperaturen und hohem Druck ausgesetzt war. Die besonderen Eigenschaften des Diamanten entstehen nur bei Vorhandensein solcher extremer Bedingungen. Nur dadurch fügen sich die Kohlenstoffatome zu geordneten Kristallen. Diese Kristallstruktur führt zur Ausbildung von würfelförmigen Diamanten, aber vorwiegend zu Oktaedern oder Dodekaedern, gelegentlich findet man auch kompliziertere Formen.
Diese kristalline Struktur ist die Ursache der besonderen Eigenschaften der Diamanten. Neben der guten Lichtbrechung und dem guten Fluoreszensverhalten ist die Härte des Diamanten sprichwörtlich. Mit dem Härtegrad 10, entsprechend der Härte-Skala nach Mohs kann kein anderes Material den Diamanten "ritzen". Der Fachmann spricht von einer sehr guten "Ritz"-Härte. Aber auch die so genannte "Schleif"-Härte ist beim Diamanten extrem hoch. Aus diesem Grunde gilt der Diamant nicht nur als ausgesprochen hart, sondern auch als unvergänglich. Rubine und Saphire gelten ebenfalls als sehr harte Materialien, aber der Diamant übertrifft deren Härte etwa 140-mal. Da der Diamant auf Grund seiner Härte aber auch sehr spröde ist, ist er durch einen Schlag trotzdem zerstörbar. Diese Eigenschaft der vollkommenen Spaltbarkeit ist vorteilhaft, wenn große Diamanten in kleinere aufgeteilt werden sollen.
Bei diesen Eigenschaften steht die Frage der Bearbeitung von Diamanten im Raum. Denn erst durch die Arbeit der Diamantenschleifer entstehen das Funkeln, die Brillanz und das Feuer in den Steinen. G.F. Herbert Smith brachte einmal zum Ausdruck: " Ein ungeschliffener Diamant ist etwa ansehnlich wie ein Stück Seife". Durch die extreme Härte können Diamanten nur mittels Diamanten oder Diamantstaub bearbeitet werden. Dabei werden Sägeblätter oder Schleifscheiben benutzt, die mit winzigen Diamanten oder Diamantpulver beschichtet sind. So können die Steine geteilt, in Form gebracht und am Ende geschliffen werden.
Da man diese Arbeitsmittel in der Vergangenheit nicht zur Verfügung hatte, war es nur möglich, die Steine zu polieren, um eventuelle Fehler zu beseitigen. Deshalb gab es bis etwa in das Jahr 1456 nur wenig bearbeitete oder unbearbeitete Steine. In Indien war es damals gänzlich verboten, die edlen Steine zu bearbeiten.
Die Steine lieber unbearbeitet zu lassen war nicht nur den fehlenden Geräten geschuldet. Durch die Gitterstruktur der Kristalle haben die Kohlenstoffatome eine regelmäßige Anordnung. Aber sie sind nicht immer in der gleichen Entfernung voneinander und das bewirkt unterschiedliche Anziehungs- oder Bindungskräfte. Also ist die Härte innerhalb eines Steines auch unterschiedlich. Nur mit diesen Kenntnissen sind exzellente Steine zu schleifen.